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Artikel vom 16.05.2008 von Franz Farkas für diePresse.com
Mythos Vespa: Und ewig sticht die Wespe
Ein Flugzeughersteller muss nach dem Krieg umsatteln und baut einen Roller. Es wurden dann 17 Millionen Stück - bis heute.
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war auch in Italien so ziemlich alles Mangelware, vor allem aber preisgünstige Mobilität – kein Wunder, dass Firmen wie der Radiohersteller Ducati begannen, Hilfsmotoren für Fahrräder zu bauen. Auch im Flugzeugwerk Piaggio Air suchte man nach einem Konzept, das nicht nur gut verkäuflich, sondern auch mit den vorhandenen Ressourcen herstellbar sein sollte. So bekam der Flugtechniker Corradino D’Ascano vom Firmeninhaber Enrico Piaggio den Auftrag, ein motorisiertes Zweirad zu entwickeln. D’Ascano hatte für Motorräder eigentlich wenig übrig: Auf ihnen wurde man nur schmutzig, zudem wollte er sich viel lieber in der gerade aufstrebenden Helikoptertechnik verwirklichen. Da er aber nur die Alternative hatte, Töpfe oder ähnlichen Hausrat oder eben ein Fahrzeug zu produzieren, entwickelte er in erstaunlich kurzer Zeit ein völlig neues Konzept. Die Devise lautete, sauber und bequem, fast wie in einem Auto, von A nach B zu gelangen. Daher verschwand der Motor unter einer Blechhaube, es gab keine schmierige Kette, sondern das Hinterrad war direkt mit dem Triebwerk verblockt, aber es gab natürlich einen freien Durchstieg, um auch der damals fast ausschließlich berockten Damenwelt das Fahren zu ermöglichen. Allerdings war der erste Entwurf mit 90-cm³-Motor nicht gerade eine Schönheit, weshalb der Prototyp von den Piaggio-Werkern „Paperino“ (Donald Duck) gerufen wurde. Erst der zweite Entwurf mit einer schlanken Taille konnte auch vom Design her überzeugen und wurde „Wespe“ (Vespa) getauft. Die geniale Einfachheit und Details wie eine Handschaltung, die edle Damenschuhe verschonte, sorgten nicht nur in Italien für eine rasche Verbreitung. Sicher hatte es schon zuvor ähnliche Konzepte gegeben wie das Lomos-Sesselrad aus den Zwanzigern oder das knapp danach in den USA gebaute „Neara-car“. Allerdings fehlte diesen Fahrzeugen die Konsequenz der Vespa und natürlich das passende Umfeld. In den Fünfzigern wurde das rollende Insekt auch nördlich der Alpen bekannt. In Deutschland wurde es in Lizenz und in Indien ohne Lizenz gebaut. 1963 kam mit der V50 Special ein Moped mit bis heute gleicher Bauweise heraus, dem die Jugend beiderlei Geschlechts sofort verfiel. Inzwischen waren die „Großen“ bei 160 bzw. 180 cm³ angelangt, diese Roller konnten sich auch im allgemeinen Niedergang des Zweirads in dieser Zeit gut behaupten. Vespa im Renneinsatz Als in den Siebzigern und Achtzigern der erste Zweiradboom von den USA nach Europa schwappte, waren die Italiener noch immer an vorderster Front. Die Vespa war Kult geworden, es gab und gibt heute noch unzählige Tuning- und Zubehörteile, von denen eine ganze Industrie gut lebt, vor allem im Mutterland Italien. Verblüffend das Sportengagement: In den Fünfzigern gewannen die Vespas aus Pontedera jede Menge Bewerbe, oft war eine eigene Rollerklasse ausgeschrieben. Sowohl auf der Straße als auch im Gelände standen die Roller ihren Mann, so dominierten sie 1951 gar die berüchtigten Six Days und fuhren neun Goldmedaillen ein. Sogar an der Wüstenrallye Paris–Dakar nahm ein Vespa-Team teil (und kam durch). Zu diesem Zweck gab es auch besonders sportliche Modelle wie die 90 SS mit einem als Knieschluss fungierenden Reserverad und Zusatztank oder die T5 mit besonders schnellem Motor. Dabei ist der unverwüstliche Roller im Grundkonzept so geblieben, wie ihn D’Ascanio 1946 gezeichnet hat. Blechpressrahmen und Triebsatzschwinge, aber auch die Radaufhängungen sind ein Markenzeichen. Nach einem heftigeren Sturz muss freilich meist ein Spengler bemüht werden. Geändert haben sich die Motoren: Der unverwüstliche Zweitakter musste aus Geräusch- und Abgasgründen einem Viertakter mit Variomatik weichen. ABS gibt es auf Wunsch. Kein Sonderangebot
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Artikel vom 05.05.2006 aus dem Handelsblatt:
60 Jahre Vespa Vespa: La Dolce Vita auf zwei RädernVor 60 Jahren knatterten die ersten Vespas durch italienische Straßen. Das ursprünglich als Nutzfahrzeug konstruierte Zweirad wurde schnell vom Nachkriegs-Einsteigerfahrzeug zum Lifestyle-Objekt für jedermann und eroberte bald die ganze Welt. Heute sind die Motorroller wieder Kult.
Happy Birthday, Vespa. Zum Jubiläum gibt es dieses limitierte Modell der Vespa GT 60. Foto: Piaggio HB DÜSSELDORF. Die Erfolgsgeschichte des Motorrollers von Piaggio begann vor fast genau 60 Jahren im April 1946. Nur ein Jahr zuvor hatte Enrico Piaggio dem Luftfahrtkonstrukteur Corradino d´Ascanio und seinem Zeichner Mario d´Este den Auftrag gegeben, ein motorisiertes Zweirad zu entwickeln, das leicht zu fahren und preisgünstig zu produzieren ist. Doch der Luftfahrtkonstrukteur mochte keine Motorräder – er war der Meinung, dass diese unhandlich und sperrig sei. So entwickelte er mit seinem Zeichner ein leicht fahrbares Gerät, das darüber hinaus dem Fahrer durch seine Form Schutz vor Schmutz und Wind bot. Das Patent meldete Enrico Piaggio am 23. April 1946 an. Dass die beiden Erfinder damit einen Mythos entwickelten, der noch Jahrzehnte später Bestand haben sollte, wussten sie damals sicher nicht. Die motorisierte Wespe Das erste Modell hieß „Paperino“. Mit einem Hubraum von 98 cm³ und 3,2 PS Motorleistung brachte es „Paperino“ auf 60 Stundenkilometer. Den Namen Vespa verdankt das motorisierte Zweirad seiner Form. Denn bereits die Ur-Vespa „98“ hatte eine schmale Taille und erinnerte mit ihrer Form an den Leib einer Wespe – lateinisch Vespa. Ihre klassische Form hat die Vespa bis heute beibehalten. Zwischendurch jedoch - speziell in den siebziger und achtziger Jahren - wurden die Modelle dem Zeitgeschmack entsprechend eckiger, mittlerweile sind sie wieder rund (dank Retro-Trend). Als im April 1946 die ersten 15 Exemplare das Werk in Pontedera verließen, ahnte keiner welche Erfolgsgeschichte vor dem praktischen Nutzfahrzeug auf zwei Rädern lag. Die Verkaufszahlen in Nachkriegs-Italien sprachen schnell für sich. Bis Ende 1949 wurden mehr als 35 000 Exemplare produziert. Doch weil in den italienischen Fabriken das Potenzial nicht ausreichte, um auch die Nachfrage in Deutschland abzudecken, wurde die Vespa auch hierzulande produziert. So kam 1950 die erste "deutsche" Vespa aus den Hoffmann-Werken in Lintorf bei Düsseldorf. Und schon Mitte der fünfziger Jahre wird der wendige Motorroller in Großbritanien, Frankreich, Belgien und Spanien produziert – später dann auch in Indien und Indonesien. Lesen Sie weiter auf Seite 2: Frühes Lob vom Handelsblatt Lob vom Handelsblatt Durch geschickte Werbung gelang es dem Hersteller Piaggio bereits vor der Auslieferung des ersten Exemplars die gesamte Jahresproduktion im vorhinein zu verkaufen. Mit den Schlüsselbegriffen "Leichtigkeit" und Beweglichkeit" bewarb Piaggio seine Vespa. So hieß es in einem Anzeigenmotiv auf dem ein junges Paar in Rollerfahrhaltung abgebildet war: "Zu ihrem Glück fehlt nur die Vespa." Und auch auf den Faktor Erotik setzte Piaggio schon immer mit großem Erfolg. So erreichte die Auflage des italienischen Vespa-Kalenders mit seinen Pin-Up-Girls wie Roller-Schönheiten oder Hula-Mädchen in den fünfziger Jahren eine Auflage von 275 000 Exemplaren. Die historischen Exemplare sind heute begehrte Sammlerstücke. Vor allem in der Nachkriegszeit war die Vespa ein erschwingliches Fortbewegungsmittel für jedermann. Und auch die Presse war begeistert. Die Vespa sei "der geglückte Versuch, das Motorrad damenfähig zu machen", schrieb 1950 das Handelsblatt. Und auch Hollywood nutzte den italienischen Charme und das mit der Vespa assoziierte Lebensgefühl in hunderten von Produktionen. So machte 1953 der Film "Roman Holiday" ("Ein Herz und eine Krone") mit Gregory Peck und Audrey Hepburn das Fahrgefühl auf dem motorisierten Zweirad weltberühmt. Und der Mythos Vespa lebt weiter. Bis heute sind weltweit mehr als 17 Millionen Stück der Kultobjekte hergestellt worden. Allein im vergangenen Jahr verkaufte Piaggio 90 000 Exemplare und führt dies vor allem auf die neuen Erfolgsmodelle Vespa LX und Vespa GTS 250 zurück. |
ab Sommer 2011 gibt es am Trasimenischen See einen neuen Treffpunkt für Vespafreunde!!
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